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«Wir wurden als ‚zu jung‘ angesehen...»

Herausgegeben von tinjo in WORTE ZUM TAG · 9/7/2014 15:20:59
Tags: DAnielSaladinGymnasiumRämibühl


Ehemalige SchülerInnen setzen sich für ihren entlassenen Lehrer ein.


Fünf Jahre ist es her, seit der am Gymnasium Rämibühl in Zürich tätige Lehrer seine Klasse ohne Abschied verlassen musste und nach Deutschland gezogen ist, um sich von den schweren Falschbeschuldigungen und polizeilichen Massnahmen zu erholen.

Ich habe damals darüber berichtet

Der Lehrer - mit richtigem Namen Daniel Saladin - hat ein Buch geschrieben über die damaligen Vorkommnisse. Der "Blick" berichtete darüber und war mitschuld, weshalb Saladin ein Lesung aus seinem Buch
diesen Frühling im Gymnasium Rämibühl kurzfristig absagte.

Die Stadt Zürich hat ihm einen Beitrag von Fr. 8000.- für das Buch als «einmaligen Unterstützungsbeitrag der Literaturförderung» zukommen lassen.

Auch in der NZZ wurde die erneute "Blick"-Hetze gegen den Lehrer gerügt:
Das Nachtreten des «Blicks» in Form einer boulevardesken Verkürzung der Sachlage war billig. Wenn es um Pädophilie geht, steht man als Skandalbewirtschafter indessen auf der sicheren Seite. Niemand will sich hier mit Relativierungen die Finger verbrennen, zumal es ja den durchaus richtigen Konsens gibt, wonach Kinder vor Übergriffen zu schützen sind."

Sie berichtete auch über die Absage der Lesung und vorgängig über das Erscheinen des Buches und nennt Salasin eine "Pamphletisten", denn:"hier schreibt sich ein Verwundeter, ein zutiefst Verletzter und Gekränkter den Frust und die Wut von der Seele. Das darf er, selbstverständlich, und es bleibt zu hoffen, dass das Schreiben seine therapeutische Wirkung nicht verfehlt, dass es dem Autor gelingt, mit dem Pamphlet die Diskussion – auch eine kontroverse? – über den vermeintlichen Justizskandal aufzunehmen: sogar am Ort des Geschehens, dem er längst entflohen ist."
Die Journalistin Brigitte Hürlimann urteilt in diesem Bericht über das Buch:
"Eines allerdings ist Daniel Saladin in seinem Werk gelungen: Er zeigt überdeutlich und in allen Details auf, wie einschneidend und traumatisierend strafrechtliche Repression für den Betroffenen sein kann. Saladin wurde während der nur schleppend und nachlässig geführten Strafuntersuchung krank und depressiv, musste hospitalisiert werden, und er floh danach aus Zürich, das er nicht mehr aushielt. Das ist eine der wichtigsten Lehren, die aus der «Aktion S.» zu ziehen sind: Menschen in ein Strafverfahren zu verwickeln, ist eine gravierende Sache. Das sollte sich unsere Gesellschaft dringend zu Herzen nehmen, denn sie ist es, die allzu gerne und vorschnell nach mehr Härte im Umgang mit mutmasslichen und wahren Straftätern oder generell im Umgang mit Kriminalität ruft."
Die NZZ berichtete auch über den Protest wegen «Fall Saladin»


Auch die WOZ schreibt über dieses Buch und seinen Verfasser und hätte es klüger gefunden, wenn nicht Saladin selbst das Buch über seinen "Fall" geschrieben hätte:
"Daniel Saladin macht es den LeserInnen nicht einfach. Statt der «Hetze» seiner «Jäger» mit Besonnenheit entgegenzutreten und ihnen so den Wind aus den Segeln zu nehmen, wirft er mit Taliban-, Hexenverfolgungs- und Nazivergleichen um sich, schreibt über Dschihad und Bananenrepubliken. Solche Vergleiche sind nicht nur unangebracht, sondern schlicht unnötig. Und auch Sätze über die beschränkten kognitiven Fähigkeiten von StaatsanwältInnen erleichtern es, Saladin zu diskreditieren. Hier schreibt einer, der angeschossen und zutiefst verletzt ist. Das ist verständlich, und man kann von ihm keine distanziert-reflektierten Ausführungen erwarten. Und genau deswegen hätte er dieses Buch besser nicht selbst geschrieben."
Auch im Tages-Anzeiger wurde über das Buch berichtet und sein Schreibstil kritisiert:
"Man kann seine Verzweiflung verstehen, aber wenn er immer wieder behauptet, alles was ihm passiert sei, folge einem System, wirkt das paranoid und konstruiert."

Da wird aber nicht paranoid und konstruiert geschrieben, sondern über ein Geschehen, das wirklich nur die wahrheitsgemäss und echt schreiben können, die selbst so etwas erlebt haben.

Der Rotpunkt-Verlag schreibt zum Erscheinen dieses Buches und zur Absage der Lesung:
"Der Fall  Daniel  Saladin geht  uns  alle  an"
"Daniel  Saladin – ein  tragischer  Einzelfall, Opfer des unglücklichen Zusammentreffens verschiedener Faktoren?   Wir  meinen:  nein.  Was ihm widerfahren ist, geht uns alle an, die für eine offene Gesellschaft kämpfen. Das geht alle an, die die unerlässliche Prävention von sexuellem Missbrauch durch Pädosexuelle nicht instrumentalisieren wollen für eine überhitzte Debatte in den Medien und die sich der Diffamierung jeglicher Auseinandersetzung mit Sexualität und Erotik entgegenstellen wollen. Wir kritisieren die Verlogenheit und Doppelmoral einer Gesellschaft, in der Pornographie ein lukratives Geschäft für viele ist, in der aber ein Lehrer, der sich kritisch mit Tabus auseinandersetzt, verhaftet werden kann"

Der Verlag organisierte selbst eine Veranstaltung:
"Wir wollen ein Zeichen setzen und veranstalten am Sonntag, 15. Juni 2014, um 11.00 Uhr   im Theater Neumarkt in Zürich eine Matinée: Lesung aus dem Buch von Daniel Saladin, sowie Vorträge, Philosophie, Performance  und  Musik"
und veröffentlichte eine lange Namensliste von Unterstützerinnen  und  Unterstützern dieser Veranstaltung.

Rezensionen zum Buch und Berichte über diese Varanstaltung und weiterführende links hier.


Was die SchülerInnen kritisieren am Vorgehen gegen diesen Lehrer, kann nicht klarer gesagt werden als wie sie es selbst sagten:


«Wir wurden als ‚zu jung‘ angesehen, um mit diesen Texten umgehen zu können, und gleichzeitig aber als ‚alt genug‘, um uns mit diesem Fall alleine auseinanderzusetzen.»


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